Über keltische Sprachreste im Siegerland

Durch kulturelle Kontakte zwischen Kelten und Germanen wanderten zahlreiche ursprünglich keltische Worte in die heutige deutsche Sprache, so stammen z.B. die Worte Amt (Ambactos), Baden (Badioh), Beil (Bitlon), Glocke (Clucca), Eisen (Isarnos) und Pferd (Paraveredus) ursprünglich aus dem Keltischen. Hinzu kommen keltische Worte die über Vermittlung aus dem lateinischen und französischen in die deutsche Sprache gelangten. Zusätzlich zu einigen Worten beeinflusste jedoch auch die keltische Grammatik und Aussprache das Deutsche, so finden sich im altalemannischen Wechsel zwischen harten und weichen Konsonanten im Anlaut , u. mitunter als Angleichung an den Auslaut des vorhergehenden Wortes, im Althochdeutschen findet sich manchmal ein anlautendes /h-/ und Umgekehrt fällt in der Mundart manchmal anlautendes /h-/ aus. In der Aussprache wandelten sich Laute (/p,t,k/ zu /pf (f), z (ß), k (ch)/) was sich so in anderen germanischen Sprachen nicht findet, wohl aber in einigen heutigen keltischen Sprachen wie Irisch oder Walisisch. Auch die Wortstellung im modernen Deutschen ist eine andere als in z.B. dem englischen und weist manchmal Gemeinsamkeiten mit dem Irischen auf.

Ein anderes Phänomen jedoch sind lokale Dialektworte die sich noch aus der vorgermanischen Zeit erhalten haben, so findet sich z.B. im hessischen und siegerländer Platt heute noch das Wort „ Mocke“, für „Schwein“, welches vom keltischen Moccos abstammt.Allerdings können oberflächliche Ähnlichkeiten auch leicht zu Fehlschlüssen führen, so vermutet z.B. Helmut G. Vitt in den „Druure“, den siegerländer Wintergeistern Nachfahren der keltischen „Druiden“. Viel wahrscheinlicher aber ist eine Herleitung von den germanischen Druden, den Mahren und Alpen verwandten Geisterwesen.

Ebenso finden sich keltische Elemente in altertümlichen siegerländer Ortsbezeichnungen wieder.Relativ sicher keltischen Ursprungs sind die Namen der Flüsse, vor allem der Sieg und der Lahn (Überliefert als „Logana“).Das –bach Element in zahlreichen Ortsnamen wird vom ursprünglich keltischen Element –ab „Wasser“, abgeleitet, weshalb Heimatforscher in den auf –bach endenden Ortschaften die ältesten Siedlungen der Region erkennen wollten, was zumindest teilweise wirklich durch Urkunden bestätigt wurde.

Hinzu kommt jedoch noch eine große Zahl volksetymologischer Deutungen von denen einige hier aufgezählt werden sollen:

Deuz – laut Böttger von *diedisso, zu deivos (Kelt. „Leuchtender, Gott“) und –issa (kelt. Wasser“)
Dielfen – laut Vitt von delua (Kelt. „Form, Gestalt“)
Dietzhölze – laut Böttger *dietsulissa (kelt. „Wasser der Göttin Sulis“)
Dreisbach – laut Vitt evtl. von dresso/dressi (kelt. „Brombeerstrauch“)
Eisern, Eiserfeld – von kelt. Isarnos („Eisen“)
Ferndorf – laut Böttger Vernodrefa, von *ferentreffa („Erlengesäumter Bach“)
Gilsbach – laut Böttger von gilarum (Kelt. „Feldthymian“) und –issa (kelt. „Bach, Wasser“)
Gosenbach – laut Vitt von Goban- (Kelt. „Schmied“)
Holzklau – laut Vitt evtl. *Ollsglom (von Ollos = Groß und Glomaro = Zaun)
Klafeld/Kloawend – laut Vitt evtl. von Cleta (kelt. „Hürde, Flechtwerk) und Benna (kelt. Vorgebirge)
Leimbach – laut Vitt von *lim, Leim (Kel. „Ulme“)
Lenne – von kelt. Linno- („Leinen“)
Littfeld – laut Vitt evtl. von *Litu- (kelt. „Flach, Weit“ oder „Spiel, Fest“)
Minnerbach – laut Vitt von Mindi (Kelt. „Diadem, Kranz“)
Müsen, Müse – *Muzhena (laut Vitt evtl. von medu- „berauschen“)
Nauholz – laut Böttger von *Nuboldisa, Noubohdissa (von kelt. Novio , „Neu“, bohdio, „Sieger“ und –issa „Wasser“)
Netphen – laut Vitt von *neotfe (kelt. Nepots, „Neffe“)
Obernau – laut Vitt von *Ouana (kelt. „Die Hohe“ ?)
Setzen – laut Böttger von *Satissa von Sedo- („Sitz, Frieden“)
Sieg, Siegen – von *Sekuana (kelt. „Die Fliessende“)
Wenscht – laut Vitt evtl. von benna (kelt. „Vorgebirge“)

Die Heimatforscher Herman Böttger ,und in seiner Nachfolge Helmut G. Vitt, waren bzw. sind allerdings keine Keltologen sondern lediglich Hobby-Linguisten die sich auf sprachwissenschaftliche Veröffentlichungen wie Alfred Holders „altkeltischer Sprachschatz“
Stützen, die allerdings mittlerweile nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen. Eine neuere Untersuchung über keltischen Einfluss und Sprachreste auf das Siegerländer Platt liegt zur Zeit noch nicht vor und ist nach dem besten Wissen der Autoren unserer Seite zur Zeit auch nicht in Arbeit.

Quellen:
-Helmut G. Vitt; Von den Eiszeiten zur Eisenzeit, das Siegerland in vor- und frühgeschichtlicher Zeit
-http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/1sprach/kelt/spu-kelt.htm

Buchbesprechung: Der Druide und seine Opfer von Stefan Utsch

Der Druide und seine Opfer von Stefan Utsch (amadeusmedien, 2010) ist die Wiederveröffentlichung eines Buches aus dem Jahre 1934 (!). Utsch beschreibt die Geschichte eines jungen Chatten, der aus römischen Diensten, vor der letzten Christenverfolgung durch Diocletian, zurück in seine Heimat flieht. Dort gerät er in Konflikt mit dem mächtigen Oberdruiden und gewinnt das Herz einer Sklavin.
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Utsch stellt die Chatten als keltisch-germanisches Mischvolk dar, da nach dem Abzug der Ubier Chatten ehemals ubisches Gebiet in Anspruch nahmen, ist seine geographische Verortung der Chatten im Siegerland soweit auch historisch korrekt. Ob die Chatten wirklich ihre Priester „Druiden“ nannten, bleibt ungewiss, da aber zumeist für die ethnogenese des Stammes ein relativ starkes keltisches Substrat angenommen wird, mag man Utschs Darstellung der Chatten als Keltogermanen soweit durchaus abnicken. Trotzdem verlaufen Utsch einige schwere historische Fehler und er lässt kaum ein Klischee aus, so sind seine Germanen naive, in Pelze gekleidete, Naturmenschen, fehlgeleitet durch ihr Heidentum, aber moralisch den Römern überlegen, welche als moralisch verfallene und dekadente Kultur, beherrscht von bacchischen Genüssen verfallenen Diktatoren.Das Christentum erscheint als Religion der Vorhersehung welche Abschaffung der Sklaverei und Gleichheit von Herr und Sklave predigt (schön wärs!) während die Germanen Trugbildern wie Hertha, Odin, Thor und Loki (nicht etwa Nerthus, Wodan,Donar und Logathor?) anhängen.Die Helden Ingo und Pollius sind reine, überlegene, jungfräuliche (!) Recken mit missionarischem Eifer.Auch treten die Germanen als heldenhafte Verteidiger ihres Vaterlandes (Deutschland!) auf und Nachbarn der Chatten und Sugambrer sind die Tacitus noch unbekannten Siegerländer (!).Alles in allem überwiegt aber Utschs christlicher Eifer aber noch allen Elementen die man als „Braun“ und annähernd rassistisch empfinden könnte (Ein eifernder Nationalsozialist war Stefan Utsch wohl in der Tat nicht).

Abschließend muss ich urteilen, dass Utschs Mischung aus Liebesgeschichte, historischem Roman und christlicher Erweckungsgeschichte einige interessante Ansätze aufweist, letztendlich aber die Naivität der Sprache, der holprige Erzählstil und die zweitklassige Charakterisierung der Personen dem Lesen viel Vergnügen rauben. Letztendlich war das Buch wohl mal eine nette Idee, die aber dilettantisch umgesetzt wurde und höchstens durch Lokalkolorit einen gewissen Reiz ausstrahlt. -Samonios

Die Kleidung der Ubier

Aus Grabfunden ist bekannt welche Arten von Fibeln, Gürtelhaken oder sonstigen Schmuckstücken die Ubier trugen, jedoch kaum etwas darüber wie ihre Alltagskleidung genau aussah.

Folgender Grabstein zeigt einen ubischen Reiter:
Grabstein eines ubischen Reiters

Der Mann trug offenbar etwa knielange weite Hosen, ein hemdartiges Oberkleid, Bundschuhe und einen typisch keltischen Torques, allerdings stand der Mann in römischen Diensten und lebte noch dazu in Gallien, in wie weit sein Grabstein also die Tracht der Ubier wiederspiegeln kann scheint zweifelhaft.

Dieser Götterstein zeigt zwei keltische Gottheiten in ubischer Kleidung:
Smertrios und Ancamna - keltische Götter in ubischer Tracht

Ancamna trägt Chiton und Himation oder Pallium, Smertrios eine Art langärmelige knielange Tunika sowie einen wadenlangen Mantel oder Umhang.Ancamnas Haartracht ist allerdings bereits römisch, beide sind also als gallo-romanisiertes Paar dargestellt.

Diese Tonfigurengruppe zeigt eine Ubierfamilie aus Köln:
Tonfigurengruppe einer ubischen Familie

Interessant sind die langen Kapuzenmäntelchen der Kinder und der knielange Mantel des Vaters, welcher eindeutig gewebte Kleidungsborten zeigt und Ähnlichkeiten mit manchen Rekonstruktionen der Kleidung des Fürsten von Hochdorf aufweist sowie die runden Schuhe.Die Haartracht ist auch hier bereits eindeutig römisch.

Folgende Bilder zeigen Bewohner der Civitas Ubiorum bei der Verehrung ihrer Götter:
Ubier bei einer Opferzeremonie
Ubier bei einer Opferzeremonie
Ubier bei einer Opferzeremonie

Die dargestellten Priester tragen bereits die typische Tracht römischer Aedites, die Adoranten jedoch sind Einheimische.Dargestellt sind kaiserzeitliche Trachten, weitärmelige Tuniken und lange Mantum-artige Gewänder welche in zwei Fällen evtl. längsgestreift sind. In der einen Darstellungen tragen die Adoranten ihr Haar nach römischer Sitte kurz, in einer anderen tragen sie ihr Haar mittellang und stark gelockt.Sehr schön zu erkennen sind die großen Hauben der ubischen Frauentracht die die Matronen und in einem Fall auch eine der anwesenden Adorantinnen tragen.

Hinweise auf das Aussehen der frühen Ubier liefern nur Münzdarstellungen:
Das
ubische Münze
ubische Münze
ubische Münze

Der tanzende Mann trägt sein Haar noch nicht romanisiert sondern nach keltischer Sitte mit Kalk zur „Stachelfrisur“ hochgestylt.Mit viel Fantasie lassen sich kurze der Feminalia ähnliche Kniehosen, ein breiter Gürtel und eine scheinbar ärmellose Tunika erahnen.Gut erkennbar ist hingegen der keltische Torques.

Wie einige der späteren romanisierten Ubier scheinen einige Tanzmänner den spitzen keltischen Schnabelschuh zu tragen, im Gegensatz zu den runden Bundschuhen des obigen ubischen Reiters und der kölner Familie.

Lassen sich so immerhin grob Schnittmuster und Tragweisen von Kleidung erahnen so sagen die figürlichen Darstellungen doch leider noch kaum etwas zu Stoffen und Farben aus.Römische Kleidung jener Zeit war aus Wolle und zumeist Leinwandbindung, das passt zum archäologischen Befund für die spätkeltische Zeit in auch zumeist Wolle und Leinwandbindung angenommen wird.

Die vielfarbigen Swastika- und Karomuster aus Hallstatt und Hochdorf scheinen in der Spätlaténe nicht mehr nachweisbar zu sein, stattdessen geht man geht zumeist von eher zweifarbiger als bunter Kleidung aus, eher von Streifen und Glencheck denn Tartans, auch Fischgrät war verbreitet. Keramik und Metallfunde zeigen eine Vorliebe der Ubier für Schwarz-Gelb und Schwarz-Rot aber ob dies auch für die Bekleidung galt lässt sich daraus nicht schliessen.

Folgendes Mosaik zeigt Bürger der Civitas Ubiorum bei einer Gladiatorenvorführung:
Ubier bei einer Gladiatorenvorstellung

Die dargestellten Männer des 2.-3. Jahrhunderts tragen recht schlichtes rot, blau, grün und grau. Die Form ihrer Mäntel ist den zeitgleichen germanischen „Prachtmänteln“ z.B. dem Thorsberger nicht unähnlich.Allgemein ist ihr Aussehen nicht unüblich für die römische Kaiserzeit, sie tragen den typisch römischen „Cäsarenhaarschnitt“ und Beinlinge oder eine Art „Strumpfhose“ die bereits die Tracht der frühfränkischen Zeit vorweg nimmt.

Die Götter des Siegerlandes

Die vermutete Religion der vorchristlichen Siegerländer war seit jeher ein beliebtes Thema in der Volkskunde. Von der deutschen Romantik der Gebrüder Grimm beeinflusste Heimatforscher wollten so z.B. in der Verehrung des St. Martin, St. Nikolaus und St. Blasius Überreste des älteren Wodan-Kultes sehen, in der Hl. Maria („Merje“) die altkeltische Muttergöttin Matrona wiedererkennen (da tatsächlich die Jungfrau Maria auch in Dreizahl als „Drei Marien“ auftritt) oder in der Feier des Hl. Bartholomäus im August Anklänge an den keltischen Gott Lug (dem im August in Irland das Lugnasadhfest geweiht war) sehen. Auch in Gestalten aus lokalen Volkssagen wie Waul, Herka, Wieland oder sogar den Dilldappen versuchte man den Gott Wodan, die Göttin Hertha oder Nethus, einen germanischen Feuergott und elbische Geistwesen zu erkennen. Die altnordische Snorra-Edda nennt drei Söhne des Gottes Wodan und der Göttin Frigida (Frea?) namens Wegdeg (Vecta?), Beldeg (Baldr?) und Sigi als Vorfahren der Ostsachsen, Westfalen und Franken, doch handelt es sich hier um altnordische Überlieferung des Mittelalters und nicht um zeitnahe einheimische Tradition.

Für weitere Spekulationen sorgten Etymologien und Volksetymologien von Ortsnamen, so vermutet z.B. Helmut G. Vitt (In seinem Buch „Von den Eiszeiten zu den Eisenzeiten“), sich auf Hermann Böttger und Alfred Holder berufend, aus Gewässer- und Ortsnamen wie Dietzhölzel (laut Vitt von kelt. „Dietsulissa“), Dielfen (laut Vitt evtl. von kelt. „Delvos“), Gosenbach (laut Vitt evtl. von kelt. ‚’Goban“) Littfeld (laut Vitt evtl. von kelt. „Litavia“) Obernau (laut Vitt evtl. von kelt. „Ouana“) auf vorchristliche Götternamen wie Sulis, Gobanos, Litavis oder Ovana schließen zu können.

Ein völlig anderes Bild jedoch ergibt sich aus den tatsächlich überlieferten Inschriften aus der Hauptstadt der Ubier, dem Oppidum Ubiorum, und anderen Siedlungen. Von dort sind uns Namen keltischer Gottheiten wie Aericura, Alaunus, Apadeva, Argenta, Armogios, Arvernus, Boudina, Camulos, Cissonios, Gebrinius, Grannus, Lucena, Noadatus, Rhenus, Rosmerta, Sirona, Smertrios, Sucellus, Vesunna und Viradectis sowie germanische Gottheiten wie Cimbrianus, Hariasa, Hellivesa, Hranno, Nehalennia, Magusanus, Requalivahanus, Sunuxalis, Vagdavercustis und Vercana erhalten. Allerdings ist es schwierig aus diesen Götternamen auch auf einheimische Kulte zu schließen, denn ebenso wie die Römer ihre Gottheiten Jupiter, Juno, Minerva, Isis, Mithras, Apollo, Diana, Hercules, Maia, Ops und Plutus mitbrachten so brachten auch Soldaten, Händler und Reisende aus Gallien und Germanien ihre eigenen Götter mit und identifizierten und verschmolzen sie mit römischen und ortsansässigen Kulten.

Relativ sicher als einheimischer Kult der Ubier anzunehmen ist der Kult der Matronen, einer dreigestaltigen Göttin welche wahrscheinlich die weiblichen und mütterlichen Kräfte der Erde und Natur symbolisierte und mit den altnordischen Nornen und römischen Parzen verwandt war. Daneben zeigen ubische Münzen vom Dünsberg Pferdedarstellungen und das sogenannte ‚’Tanzende Männlein’’, eine tanzende oder im Schneidersitz dargestellte Figur mit keltischer Stachelhaartracht und Torques welche eine Schlange in der Hand hält.Ersteres weist vermutlich auf die keltische Pferde- und Muttergöttin Epona hin, zweiteres wird zumeist als abgewandelte Darstellung des Geweihgottes Cernunnos gedeutet. Alte heilige Orte der siegerländer Kelten befanden sich aller Wahrscheinlichkeit nach am Kindelsberg, am
Druidenstein bei Herkersdorf und dem Hohenseelbachskopf. Auch der Name des siegener Heidenberges weist möglicherweise nicht auf eine Heidelandschaft hin sondern darauf ,dass man glaubte ,dass dort früher die Heiden ihre Götter verehrt hätten.Archäologische Funde die diese Orte als Stellen vorchristlicher Götterverehrung bestätigen könnten fehlen allerdings bisher. Keltische Heiligtümer befanden sich aller Wahrscheinlichkeit nach jedoch auch auf allen Höhensiedlungen sowie an den Flussquellen. Da die Kelten die Flüsse ihrer Heimatländer als Gottheiten verehrten wurden in der Vorzeit wohl auch die Göttinnen der Flüsse Sieg (Sigana), Lahn (Logana) und anderer Gewässer religiös verehrt.

Wer waren die Ubier?

Die Ubier waren ein Stamm, der sich laut Tacitus zu den Germani zählte.Heute geht man davon aus ,daß die Ubier wahrscheinlich germanisierte Kelten oder stark keltisch beeinflusste Germanen waren.Welcher Sprachgruppe die Ubier ursprünglich angehörten ist bis heute unbekannt, sie werden jedoch archäologisch zur späten La tene Kultur gezählt.Nach ihrer Umsiedlung in das Oppidum Ubiorum (das spätere Köln) wiesen die Ubier sowohl germanische als auch keltische Bevölkerungsanteile auf, sehr rasch wurden die Ubier jedoch romanisiert.

Geschichte

Das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Ubier lag am rechten Ufer des Rheins, zwischen der unterer Lahn und dem Taunus.Das heutige Hessen war eines der Zentren der keltischen Kultur und war sicher seit der frühkeltischen Zeit im 6. und 5. Jahrhundert von keltischen Stämmen besiedelt.Es entstanden unter anderem Oppida am Dünsberg, am Glauberg und das Heidetränk-Oppidum.Ihre Hochphase und Blütezeit erreichte die keltische Kultur hier im 3. Jahrhundert v.Chr.

Seit dem ersten Jahrhundert v.Chr. bestanden zunehmend Kontakte zwischen Kelten und Germanen, diese verliefen zunächst nicht kriegerisch, obgleich anzunehmen ist ,daß zu dieser Zeit Germanen aus dem Elbgebiet in keltisches Gebiet einwanderten handelte es sich bei diesen Gruppen noch nicht um einen geschlossenen Stamm. Einige germanische Stämme gerieten unter den Einfluss der Kelten, möglicherweise entstand eine stammesübergreifende gemeinsame Münzprägung zwischen Ubiern, Batavern und Chatten.Als Cäsar Gallien unterwarf schlossen die Ubier durch Tributzahlungen ein Bündnis mit den Römern gegen ihre Konkurrenten, die germanischen Ubier, wurden zu Handelspartnern, stellten ihnen Hilfstruppen und gaben sogar ihre Söhne in römische Ausbildung.Während des Eburonenaufstandes unterstützten die Ubier allerdings möglicherweise die Eburonen mit ubischem Gold.Als der Eburonen Fürst Ambiorix bei den Ubiern Unterschlupf fand überzeugten sie Cäsar davon nicht am Aufstand des Ariovist beteiligt gewesen zu sein und schoben stattdessen ihren alten suebischen Konkurrenten die Schuld zu.

Nachdem die Ubier ,aufgrund ihrer römerfreundlichen Politik, zunehmend unter Druck der Sueben und ihrer Bundesgenossen gerieten, das Dünsberg Oppidum wurde zu dieser Zeit wahrscheinlich verlassen, baten sie um den Schutz der Römer,welche sie unter Agrippa zwischen 38 und 20. v. Chr. in das Gebiet der besiegten Eburonen umsiedelten, auch um den unsicheren Bündnispartner besser kontrollieren zu können. Dort vermischten sich die Ubier mit den Resten der Kelten, gegen 7-5 v.Chr. wurde ihnen mit dem Oppidum Ubiorum ein Zentralort erbaut, ein im Lahntal verbliebener Stammesteil erhielt einen eigenen Zentralort bei Waldgirmes,desweiteren erlaubte Agrippa den Chatten in das ehemalige Ubierland vorzurücken und es in Besitz zu nehmen wobei sie sich wahrscheinlich mit ebenfalls verbliebenen ubischen Stammesresten arrangierten.Ubier besiedelten in dieser Zeit die zahlreichen Kastelle im weiteren Rheingebiet wie Bonna (Bonn), Antunnacum (Andernach), Rigomagus (Remagen), Aquae Grannis (Aachen), Novaesium (Neuss), Tolbiacum (Zülpich), Confluentes (Koblenz) , Asciburgium (Moers-Asberg) und Gelduba (Krefeld-Gellep-Stratum). Im Oppidum Ubiorum liess Augustus den Ara Ubiorum , als römisches Zentralheiligtum errichten als dessen Hohepriester der Cherusker Segimundus (ein Sohn des Segestes) bestimmt wurde, welcher jedoch in der Varusschlacht im Jahre 9. n.Chr. zu Arminius überlief.Im gleichen Jahr noch wurde Waldgirmes aufgegeben und in der Folgezeit wurde das Ubier Oppidum zur Legionsstadt und zum Hauptquartier des Feldherren Germanicus.15. n. chr kehrte auch der abtrünnige Priester Segimundus zurück, der bei Germanicus Gnade fand.Die in diesem Jahr geborene Agrippina, Germanicus Tochter, wurde später Gattin des römischen Kaisers Claudius und machte 50 n. Chr. ihren Geburtsort zur römischen Kolonie die fortan den Namen „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ trug, die ihr treu ergebenen Ubier nahmen als neuen Stammesnamen die Bezeichnung „Agrippinenses“ an.Als sich im Jahr 68 n. Chr., nach dem Tod des Kaisers Nero, die Bataver erhoben schlossen sich ihnen die Ubier an, wenngleich angeblich nur widerwillig und ohne wahre Überzeugung, liefen jedoch sehr schnell wieder zur römischen Seite über, als die Bataver mit der Zerstörung der Stadt drohten.88/89 n.Chr. erlaubte ein Stamm namens „Cubii“, bei dem es sich möglicherweise um die Ubier handelt, den Römern ,unter Domitian, auf ihrem Stammesland militärische Niederlassungen für den Krieg gegen die Chatten zu errichten, wofür sie sich großzügig entschädigen liessen, im selben Jahr gründete Domitian die Provinz Germania Inferior deren zu deren Hauptstadt er die Colonia Claudia Ara Agrippinensium ernannte.Im Jahr 259 kam es zu Plünderungen der Germania Inferior durch fränkische Stämme, der gallo-römische General Postumus nutzte seinen Sieg über die Plünderer dazu die Beute unter seinen Soldaten aufzuteilen und wandte sich gegen den regierenden Unterkaiser Saloninus.Während der Zeit in der Postumus sich zum Augustus ausrieen liess zwischen 260 und 274 wurde Gallien eine abtrünnige Provinz, das sogenannte „Imperium Galliarum“, das sich bald auf Britannien und Hispanien ausweitete und zu dessen Hauptstadt Postumus das Oppidum Ubiorum machte.274 unterwarf sich Tetricus, der Kaiser des Imperium Galliarum, unter dem Druck der Germanen jedoch dem römischen Kaiser Aurelian so ,dass es wieder völlig ins römische Reich eingegliedert wurde obgleich im selben Jahr noch germanische Plünderer seine Hauptstadt stark verwüsteten.310 liess Kaser Constantin persönlich vor der Colonia eine grosse steinerne Rheinbrücke errichten und erliess drei Jahre später -angeblich nach seiner Konversion zum Christentum -den Toleranzedikt von Mediolanum und die Kolonia wurde zum Bischofssitz.Das römische Militär in Gallien und Germanien bestand im vierten Jahhundert bereits zu grossen Teilen aus Franken -unter anderem hervorgegangen aus den Ubiern aber vor allem aus den Stämmen der Salier, Ripuarier und Moselfranken (vornehmlich die Chamaven, Chatten und Chattuarier, Sugambrer, Brukterer, Usipiter, Tenkterer, Ampsivarier), diese Tatsache brachte im Jahr 355 den Einflussreichen gallisch-fränkischen General Silvanus in den Verdacht insgeheim gegen Constantius II zu intrigieren.Als der Kaiser den Verdächtigten zur Bestrafung zurückbeorderte rief dieser sich tatsächlich in der Colonia Agrippina zum Kaiser aus wurde jedoch bald im Auftrag des römischen Generals Ursicinus,welcher vom Kaiser als Silvanus Ersatz bestimmt worden war, ermordet.Nach dieser Tat kam es zu schweren Aufständen und Plünderungen durch die Franken, die drohten Colonia Agrippina zu zerstören.Aufgrund der Plünderungen wechselten die Ubier , die ursprünglich auf Seiten von Silvanus Truppen gestanden hatten, wieder die Fronten und liefen zu Rom über, das unter Julian Apostata 356 die Franken besiegen konnte.Vier Jahre später wurde Julian Apostata, ein gläubiger Neuplatoniker, römischer Kaiser und unterstützte während seiner dreijährigen Amtszeit wieder die Alte Religion wodurch auch der Ara Ubiorum wieder gefördert wurde.Nach der Rechsteilung in West- und Ostrom wurde die Lage der Colonia Agrippina zunehmend schwieriger, durch die Invasion der Westgoten in Hispanien und die Truppenaufstände und Gegenkaiser in Brittannien, da der römische Heermeister Stilicho den großteil der Grenztruppen der Germania Inferior abzog um Italien zu verteidigen.Nach und nach geriet die Colonia in die Hand der Ripuarier, die sich nun nicht mehr als Teile Westroms begriffen.So wurde Colonia Agrippina schließlich zu einem Teil des Frankenreiches.

Kultur:

Die Ubier lebten vermutlich größtenteils unter der Führung verschiedener Adelsfamilien in verstreuten Einzelgehöften und in kleineren Siedlungen, die Oppida waren grössere Mittelpunktsiedlungen und Zentralorte wie sie auch bei anderen keltischen Stämmen üblich waren.Bestimmend für die Ubier war ihre einflussreiche Münzprägung, die wohl durch frühe Kontakte nach Gallien entstand und ein Hauptfaktor ihrer politischen Macht, sowohl als Einflussfaktor auf die Germanen, als auch als Bündnispartner für die Römer war.Militärisch waren die Ubier hauptsächlich für ihre ausgezeichnete Reiterei bekannt.

Religion

Als zentrale Religion der Ubier wird oftmals der Kult der Matronen, der großen keltisch-germanischen Muttergottheit in dreifacher Gestalt genannt.Ubische Münzen zeigen eventuell Darstellungen des Geweihgottes Cernunnos und der Pferdegöttin Epona.Zahlreiche weitere Gottheiten sind aus ubischen Siedlungen durch Weihinschriften bekannt, nicht alle diese Gottheiten müssen speziell ubischer Herkunft sein, da der Ara Ubiorum das Zentralheiligtum der Provinz Germania Inferior war, kamen dort Anhänger zahlreicher verschiedener Gottheiten zusammen, von Römern über Gallier bis hin zu verschiedenen germanischen Stämmen.Als Hauptheiligtum der Provinz war die Ara als lokale Version des römischen Kapitols vor allem der Göttertrias Jupiter, Juno und Minerva geweiht, zudem existierte ein Marstempel, mehrere Kultorte der Isis an denen vermutlich nur Frauen ihre Religion ausübten und auch magische Riten wie Puppenmagie praktizierten und -vor allem unter den Legionären -auch Mithräen in denen wohl das Taurobolium des Lichtgottes Mithras stattfand.Seit etwa dem 3. Jahrhundert breitete sich in der Colonia auch das Christentum aus etwa gleichzeitig mit dem herausbilden einer ersten jüdischen Gemeinde, ab dem 4. Jahrhundert entstanden die ältesten Kirchenbauten.

Name

Der Name Ubii ist eventuell mit dem heutigen Wort „Über“ verwandt.Die Ubier wären somit vielleicht als ‚‘Die Hohen'‘ oder ‚‘Die Überlegenen'‘ zu übersetzen.Eine weitere Möglichkeit wäre ein Zusammenhang mit dem germanischen Ubuo, „Landbauer“.Der Unterstamm oder die alternativbezeichnung Cubii könnte sprachlich allerdings auch mit dem keltischen Stamm der Cubi, einem Gau der Bituriges verwandt sein.Darüberhinaus scheint auch eine Ableitung aus dem keltischen, z.B. von (p)ubos – ‚‘Schwertspitze'‘ denkbar, die Ubier wären demnach „Die Schwertträger“ gewesen.Sprachlich überwiegen bei den überlieferten Namen der Bewohner der Civitas Ubiorum mediterrane, italische Namen (77% bei den Zivilisten 79% bei den Militärs), wobei allerdings auch, da dies bei Gallo-romanen üblich war, mit latinisierten keltischen Namensformen zu rechnen ist, 4,5% der Zivilisten und 4% der Militärs tragen germanische, 6% bzw.7% keltische Namen, weitere 10% bleiben nicht klar zuzuordnen.Keltische Namen sind vor allem bei der älteren Generation weiter verbreitet, der leichte Überhang der keltischen Personennamen könnte auf ein mögliches Substrat der stark keltisierten Germani Cisrhenani, vor allem der Eburonen, im Gebiet der Civitas Ubiorum zurückzuführen sein.



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